LibreOffice vs Microsoft Office

LibreOffice vs Microsoft Office — Ehrlicher Vergleich

Für die meisten Kleinunternehmen unter 20 Mitarbeitern reicht LibreOffice. Ab 20+ oder bei intensiver Echtzeit-Zusammenarbeit wird Microsoft 365 sinnvoll.

Kurzübersicht

KriteriumLibreOfficeMicrosoft 365 Business
PreisKostenlosab €12,50/Monat/User
TextverarbeitungWriterWord
TabellenkalkulationCalcExcel
PräsentationenImpressPowerPoint
E-Mail— (Thunderbird)Outlook
Cloud-Speicher— (Nextcloud)OneDrive (1 TB)
Echtzeit-ZusammenarbeitEingeschränktJa, nahtlos
Offline-NutzungVollständigVollständig (Desktop-Apps)
BetriebssystemeWindows, macOS, LinuxWindows, macOS
DateiformateODF nativ, MS-Formate kompatibelMS-Formate nativ, ODF kompatibel
DatenschutzLokal, keine CloudUS-Cloud (Microsoft-Server)
SupportCommunity, optional kommerziellMicrosoft-Support
Makros/VBATeilweise kompatibelVollständig

LibreOffice im Detail

LibreOffice ist eine vollständige Office-Suite: Writer (Textverarbeitung), Calc (Tabellenkalkulation), Impress (Präsentationen), Draw (Zeichnungen), Math (Formeln) und Base (Datenbanken). Entwickelt wird es von der Document Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung — und von tausenden Freiwilligen weltweit.

Stärken

Kostenlos — wirklich. Kein Haken. Keine “Basisversion gratis, Premium kostenpflichtig”. Sie laden es herunter, installieren es, und nutzen den vollen Funktionsumfang. Für immer. Auf so vielen Rechnern, wie Sie wollen.

Kein Abo-Modell. Microsoft hat 2023 den Kauf von Office-Einzellizenzen praktisch abgeschafft. LibreOffice bleibt bei seinem Modell: einmal installieren, dauerhaft nutzen.

Datenschutz. LibreOffice läuft lokal auf Ihrem Rechner. Keine Telemetrie, keine Cloud-Anbindung, keine Daten die an Server gesendet werden. Für Unternehmen, die DSGVO-konform arbeiten wollen, ein klarer Vorteil.

Plattformunabhängig. Windows, macOS und Linux. Wenn Sie einen Mitarbeiter auf Linux umstellen (spart Windows-Lizenz), funktioniert LibreOffice genauso.

Portable Version. LibreOffice kann ohne Installation von einem USB-Stick laufen. Praktisch für Außendienst oder temporäre Arbeitsplätze.

Schwächen

Echtzeit-Zusammenarbeit. LibreOffice hat mit LibreOffice Online eine kollaborative Komponente, aber die ist nicht annähernd so ausgereift wie Microsofts Co-Authoring. Wenn Ihr Team regelmäßig gleichzeitig an Dokumenten arbeitet, ist das ein relevanter Nachteil.

VBA-Makros. LibreOffice unterstützt einfache VBA-Makros, aber komplexe Excel-Makros funktionieren oft nicht oder müssen angepasst werden. Wenn Ihre Buchhaltung mit umfangreichen Excel-Makros arbeitet, wird der Umstieg aufwendig.

Layout-Kompatibilität. Einfache Dokumente sehen in LibreOffice praktisch identisch aus wie in Microsoft Office. Bei komplexen Layouts mit eingebetteten Objekten, speziellen Schriftarten oder aufwendiger Formatierung gibt es gelegentlich Verschiebungen. Für den Schriftverkehr mit Gerichten oder Behörden, wo Formatierung pixelgenau sein muss, ein Risiko.

Kein Outlook-Ersatz. LibreOffice enthält kein E-Mail-Programm. Thunderbird ist eine solide Alternative für E-Mail, aber die Integration von Kalender, Kontakten und Aufgaben ist nicht so nahtlos wie bei Outlook + Exchange.

Design der Oberfläche. Subjektiv, aber relevant: LibreOffice sieht nicht so modern aus wie Microsoft Office. Für manche Nutzer ist das ein Umstellungshindernis.

Microsoft Office im Detail

Microsoft 365 Business ist das Standard-Office-Paket für Unternehmen. Word, Excel, PowerPoint, Outlook, OneDrive, Teams — alles in einem Abonnement.

Stärken

Echtzeit-Zusammenarbeit. Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig am selben Dokument. Änderungen erscheinen in Echtzeit. Kommentare, Versionsverlauf, automatisches Speichern. Für Teams, die viel gemeinsam an Dokumenten arbeiten, ist das ein Gamechanger.

Excel-Power. Für komplexe Tabellenkalkulationen — Pivot-Tabellen, Power Query, VBA-Makros, große Datenmengen — ist Excel nach wie vor die Referenz. Calc kommt nahe, aber nicht ganz heran.

Ökosystem. Outlook, Teams, OneDrive, SharePoint — alles integriert. Kalendereinladungen, Dateifreigaben, Videokonferenzen aus einem Guss. Wenn Sie Microsoft nutzen, funktioniert alles zusammen.

Branchenstandard. Kunden, Partner und Behörden nutzen Microsoft. Dokumente austauschen funktioniert reibungslos. Keine Kompatibilitätssorgen.

Support. Bei Problemen gibt es Microsoft-Support, Dokumentation und ein riesiges Ökosystem an Drittanbieter-Lösungen.

Schwächen

Kosten. Microsoft 365 Business Standard kostet €12,50/Monat pro Benutzer. Bei 10 Mitarbeitern: €1.500/Jahr. Über 5 Jahre: €7.500. Das ist viel Geld für Software, die viele nur zum Tippen und Tabellenrechnen nutzen.

Abo-Zwang. Seit Microsoft den Kauf von Einzellizenzen für Unternehmen praktisch eingestellt hat, zahlen Sie monatlich — für immer. Kündigen Sie das Abo, verlieren Sie den Zugang zu Ihren eigenen Dokumenten in der Cloud.

Datenschutz. Microsoft 365 speichert Daten auf Microsoft-Servern — standardmäßig in EU-Rechenzentren, aber unter US-Recht (CLOUD Act). Für Unternehmen mit hohen DSGVO-Anforderungen ein strukturelles Problem, das durch EU-Rechenzentren allein nicht gelöst wird.

Telemetrie. Microsoft sammelt umfangreiche Nutzungsdaten. Das lässt sich in Unternehmens-Editionen einschränken, aber nicht vollständig abschalten.

Vendor Lock-in. Je tiefer Sie im Microsoft-Ökosystem stecken (Exchange, SharePoint, Teams, OneDrive), desto schwieriger und teurer wird ein Wechsel. Das ist gewollt.

Kosten im Vergleich

Rechenbeispiel für ein typisches Wiener Kleinunternehmen mit 10 Mitarbeitern:

Microsoft 365 Business Standard

PostenMonatlichJährlich5 Jahre
Lizenz (€12,50 × 10)€125€1.500€7.500
Einrichtung & Migration~€800 (einmalig)€800
Gesamt€125/Monat€2.300 (Jahr 1)€8.300

LibreOffice + Thunderbird

PostenMonatlichJährlich5 Jahre
Software-Lizenz€0€0€0
Installation & Einrichtung~€500 (einmalig)€500
Schulung (optional)~€300 (einmalig)€300
Gesamt€0/Monat€800 (Jahr 1)€800

Ersparnis über 5 Jahre: ca. €7.500.

Das ist eine konservative Rechnung. Wenn Sie Microsoft 365 Business Premium (€22/Monat/User) nutzen — was viele IT-Dienstleister ihren Kunden empfehlen — wird die Differenz noch deutlicher: €13.200 vs. €800 über 5 Jahre.

Versteckte Kosten bei Microsoft

Was in der Lizenzrechnung nicht auftaucht:

  • Admin-Aufwand: Microsoft 365 muss konfiguriert und verwaltet werden. Conditional Access, Compliance-Einstellungen, Benutzer anlegen/löschen — das kostet Zeit oder Geld für einen IT-Dienstleister.
  • Schulung: Auch Microsoft-Updates erfordern Einarbeitung. Die Oberfläche ändert sich regelmäßig.
  • Speicher-Upgrades: OneDrive gibt 1 TB pro User. Klingt viel, aber Videodateien und große Projekte füllen das schnell. Zusätzlicher Speicher kostet extra.

Versteckte Kosten bei LibreOffice

Fairerweise:

  • Einarbeitungszeit: 1-2 Wochen, in denen die Produktivität etwas sinkt. Die Oberfläche ist ähnlich, aber nicht identisch.
  • Formatierungsprobleme: Wenn Sie regelmäßig komplexe Dokumente mit Microsoft-Nutzern austauschen, kann gelegentliches Nachformatieren Zeit kosten.
  • Kein integrierter Cloud-Speicher: Sie brauchen eine eigene Lösung — Nextcloud ist kostenlos, muss aber eingerichtet werden.

Datenschutz & DSGVO

Für Unternehmen in Österreich ist Datenschutz nicht optional. Die DSGVO stellt klare Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten.

LibreOffice

  • Läuft vollständig lokal auf Ihrem Rechner
  • Keine Datenübertragung an externe Server
  • Keine Telemetrie
  • Sie haben die vollständige Kontrolle über Ihre Daten
  • Ideal für Unternehmen mit erhöhtem Datenschutzbedarf (Kanzleien, Steuerberater)

Microsoft 365

  • Daten werden auf Microsoft-Servern gespeichert (standardmäßig EU-Rechenzentren)
  • Microsoft unterliegt dem US CLOUD Act — US-Behörden können theoretisch Zugriff auf Daten in EU-Rechenzentren verlangen
  • Umfangreiche Telemetrie (einschränkbar, nicht vollständig abschaltbar)
  • Microsofts “EU Data Boundary” Initiative speichert Daten in der EU, löst aber das CLOUD-Act-Problem nicht vollständig
  • Die österreichische Datenschutzbehörde hat Microsoft 365 nicht verboten, aber die Konfiguration muss stimmen

Unsere Einschätzung: Für die meisten Unternehmen ist Microsoft 365 mit richtiger Konfiguration DSGVO-konform nutzbar. Aber wenn Sie Mandantendaten (Kanzleien) oder besonders sensible Daten verarbeiten, ist lokale Software der sicherere Weg. Nicht weil Microsoft unsicher ist, sondern weil weniger Angriffsfläche immer besser ist.

Wann LibreOffice die richtige Wahl ist

  • Sie sind ein Kleinunternehmen unter 20 Mitarbeitern
  • Ihre Office-Nutzung beschränkt sich auf Texte, Tabellen und einfache Präsentationen
  • Sie brauchen keine Echtzeit-Zusammenarbeit an Dokumenten
  • Datenschutz hat für Sie hohe Priorität
  • Sie wollen unabhängig von Abo-Modellen sein
  • Sie nutzen keine komplexen Excel-Makros

Typische Unternehmen: Kanzleien (für die Standard-Korrespondenz), Handwerksbetriebe, Einzelunternehmer, Praxen (für Administration und Briefe).

Wann Microsoft Office die richtige Wahl ist

  • Ihr Team arbeitet regelmäßig gleichzeitig an Dokumenten
  • Sie tauschen häufig komplexe, formatierte Dokumente mit externen Partnern aus
  • Sie nutzen intensive Excel-Funktionen (Pivot, Power Query, VBA)
  • Sie brauchen das Microsoft-Ökosystem (Teams, SharePoint, Exchange)
  • Sie haben mehr als 20 Mitarbeiter und brauchen zentrale Verwaltung

Typische Unternehmen: Agenturen mit großen Teams, Beratungsunternehmen, Firmen mit intensiver externer Zusammenarbeit, Unternehmen die auf SharePoint-Workflows aufgebaut haben.

Die Hybrid-Lösung: Beide kombinieren

In der Praxis empfehlen wir oft einen Mittelweg: LibreOffice auf den meisten Arbeitsplätzen, Microsoft 365 nur dort, wo es wirklich gebraucht wird.

Beispiel einer Kanzlei mit 8 Mitarbeitern:

  • 6 Sachbearbeiter nutzen LibreOffice (Schriftsätze, Korrespondenz, einfache Tabellen) — Kosten: €0
  • 2 Partner nutzen Microsoft 365 (intensive Zusammenarbeit mit Mandanten, komplexe Excel) — Kosten: €25/Monat
  • Gesamt: €25/Monat statt €100/Monat. Ersparnis: €900/Jahr.

Das funktioniert, weil LibreOffice .docx-Dateien öffnen und speichern kann. Die beiden Welten sind kompatibel — nicht perfekt, aber für die allermeisten Anwendungsfälle ausreichend.

Unsere Empfehlung

Wir haben keine Aktien an Microsoft und keine Spende von der Document Foundation. Unsere Empfehlung basiert auf dem, was wir in Wiener Kleinunternehmen tatsächlich erleben:

Unter 10 Mitarbeitern, Standard-Büroarbeit: Probieren Sie LibreOffice. Installieren Sie es parallel zu Microsoft Office, nutzen Sie es einen Monat lang. Die meisten stellen fest: Es reicht. Und €1.500/Jahr gespart ist €1.500/Jahr gespart.

10-20 Mitarbeiter, moderate Zusammenarbeit: Hybrid-Lösung. LibreOffice als Standard, Microsoft dort wo nötig.

Über 20 Mitarbeiter oder intensive Teamarbeit: Microsoft 365 ist wahrscheinlich die pragmatische Wahl. Der Verwaltungsaufwand für eine gemischte Umgebung überwiegt irgendwann die Lizenzkosten.

Unsicher? Rufen Sie uns an oder buchen Sie ein kostenloses IT-Audit. Wir schauen uns an, wie Sie Office-Software tatsächlich nutzen, und geben Ihnen eine ehrliche Empfehlung — unabhängig davon, was uns mehr Umsatz bringt.

Häufige Fragen

Kann LibreOffice Microsoft-Dateien öffnen?

Ja. .docx, .xlsx und .pptx werden unterstützt. Bei einfachen Dokumenten klappt das problemlos. Bei komplexen Layouts, Makros oder umfangreichen Pivot-Tabellen kann es Abweichungen geben.

Ist LibreOffice wirklich kostenlos?

Ja, vollständig. LibreOffice ist Open Source unter der Mozilla Public License. Keine versteckten Kosten, keine Testversion, keine Werbung. Sie können es unbegrenzt auf beliebig vielen Rechnern installieren.

Kann ich von Microsoft Office zu LibreOffice wechseln?

Ja. Der Umstieg ist technisch einfach — LibreOffice installieren, fertig. Die Eingewöhnung dauert je nach Nutzer 1-2 Wochen. Bestehende Office-Dateien können weiterhin geöffnet und bearbeitet werden.

Was ist mit Outlook? Gibt es eine LibreOffice-Alternative?

LibreOffice hat kein E-Mail-Programm. Als kostenlose Alternative eignet sich Thunderbird. Für Kalender und Kontakte in Kombination mit Nextcloud funktioniert das gut. Für intensive Exchange-Nutzung (geteilte Postfächer, Raumplanung) gibt es aber keine gleichwertige FOSS-Lösung.

Empfiehlt chilli IT immer LibreOffice?

Nein. Wir empfehlen, was für Ihr Unternehmen am besten passt. Wenn Sie intensive Echtzeit-Zusammenarbeit brauchen oder komplexe Excel-Makros nutzen, ist Microsoft oft die bessere Wahl. Wir verdienen an keiner der beiden Empfehlungen.

Nicht sicher, was zu Ihnen passt?

Wir betreuen Kunden mit beiden Lösungen. Im kostenlosen IT-Audit zeigen wir Ihnen, was für Ihr Unternehmen Sinn macht.

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