Nextcloud vs OneDrive / SharePoint

Nextcloud vs OneDrive — Ehrlicher Vergleich

Für datenschutzbewusste Kleinunternehmen unter 20 Mitarbeitern ist Nextcloud die bessere Wahl. Wer Microsoft 365 bereits nutzt und intensive SharePoint-Workflows hat, bleibt besser bei OneDrive.

Kurzübersicht

KriteriumNextcloudOneDrive / SharePoint
PreisSoftware kostenlos, Hosting nötigab €5,60/Monat/User (in Microsoft 365)
SpeicherUnbegrenzt (eigene Hardware)1 TB/User (Microsoft 365 Business)
DateisyncJa (Desktop + Mobile)Ja (Desktop + Mobile)
Office-IntegrationCollabora Online (kostenlos)Microsoft Office (nahtlos)
KalenderJa (CalDAV)Ja (Outlook/Exchange)
KontakteJa (CardDAV)Ja (Outlook/Exchange)
VideocallsNextcloud TalkMicrosoft Teams
DatenspeicherortIhr Server / Ihre WahlMicrosoft-Server (EU oder US)
DSGVOVolle KontrolleAbhängig von MS-Konfiguration
Admin-AufwandServer-Wartung nötigMicrosoft übernimmt
Offline-ZugriffJaJa
BetriebssystemeWindows, macOS, Linux, iOS, AndroidWindows, macOS, iOS, Android
VerschlüsselungServer-seitig + optional E2EIn Transit + at Rest

Nextcloud im Detail

Nextcloud ist eine selbst gehostete Cloud-Plattform. Dateispeicherung, Synchronisation, Kalender, Kontakte, Videokonferenzen (Talk), E-Mail und mehr — alles auf Ihrem eigenen Server oder einem Hoster Ihrer Wahl.

Stärken

Volle Datenkontrolle. Ihre Dateien liegen auf Ihrem Server. In Ihrem Büro, bei Ihrem Hoster in Wien, in Ihrem Rechenzentrum in Österreich. Kein US-Unternehmen hat Zugriff. Kein CLOUD Act. Für die DSGVO ist das die sauberste Lösung.

Kein Speicherlimit. OneDrive gibt 1 TB pro User. Klingt viel, bis eine Agentur Videodateien speichert oder ein Architekturbüro BIM-Modelle ablegt. Bei Nextcloud bestimmen Sie den Speicher — eine 8-TB-Festplatte kostet einmalig €200. Keine monatlichen Kosten pro Gigabyte.

Alles in einem. Dateien, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Notizen, Videocalls (Talk), Office-Dokumente (Collabora) — eine Plattform statt fünf Abos. Ersetzt im Idealfall: Dropbox + Google Calendar + Zoom + Trello.

App-Ökosystem. Hunderte Erweiterungen: Deckboard (Kanban), Forms (Umfragen), Bookmarks, Passwortmanager. Alles kostenlos.

Keine Abo-Falle. Nextcloud gehört Ihnen. Wenn die Document Foundation morgen aufhört, läuft Ihre Installation trotzdem weiter. Vergleichen Sie das mit dem Szenario, in dem Microsoft die Preise für OneDrive erhöht — was regelmäßig passiert.

Schwächen

Server-Wartung nötig. Nextcloud muss irgendwo laufen — auf einem lokalen Server oder bei einem Hoster. Updates, Backups, Monitoring. Kein Aufwand, den Sie als Unternehmer selbst machen sollten. Entweder Ihr IT-Dienstleister übernimmt das, oder Sie nutzen Managed Hosting.

Office-Bearbeitung. Collabora Online (die eingebaute Office-Lösung) funktioniert für grundlegende Bearbeitung, ist aber nicht auf dem Niveau von Microsoft Office Online. Für komplexe Excel-Tabellen oder aufwendige Formatierungen merkt man den Unterschied.

Kein Outlook-Ersatz. Nextcloud hat Kalender und Kontakte, aber kein E-Mail. In Kombination mit Thunderbird funktioniert das gut (CalDAV/CardDAV), aber die Integration ist nicht so nahtlos wie Outlook + Exchange.

Lernkurve. Die Desktop-App funktioniert ähnlich wie Dropbox oder OneDrive — Ordner synchronisieren, fertig. Aber die Web-Oberfläche und erweiterte Funktionen (Freigaben, Workflows, Apps) brauchen Einarbeitung.

OneDrive / SharePoint im Detail

OneDrive ist Microsofts Cloud-Speicher, tief integriert in Microsoft 365. SharePoint ergänzt es um Team-Websites, Dokumentenbibliotheken und Workflow-Automatisierung. Zusammen bilden sie das Rückgrat von Microsofts Kollaborationsplattform.

Stärken

Nahtlose Microsoft-Integration. Wenn Sie Microsoft 365 nutzen, ist OneDrive einfach da. Word speichert direkt in OneDrive, Teams-Dateien landen in SharePoint, Outlook-Anhänge werden als OneDrive-Links versendet. Kein Setup, keine Konfiguration.

Echtzeit-Zusammenarbeit. Mehrere Personen bearbeiten gleichzeitig ein Word-Dokument in OneDrive. Änderungen erscheinen in Echtzeit. Versionsverlauf, Kommentare, @-Mentions — alles integriert.

Kein eigener Server nötig. Microsoft betreibt die Infrastruktur. Updates, Backups, Verfügbarkeit — darum kümmert sich Microsoft. Sie brauchen keinen IT-Dienstleister für die Server-Wartung.

SharePoint-Workflows. Für Unternehmen mit strukturierten Prozessen: Freigabe-Workflows, automatische Dokumentenverwaltung, Power Automate für Automatisierungen. Das ist eine Liga, in der Nextcloud nicht mitspielt.

Breite Kompatibilität. Jeder kennt Microsoft. Dateien teilen, gemeinsam bearbeiten, externe Gäste einladen — das funktioniert reibungslos mit Partnern und Kunden, die ebenfalls Microsoft nutzen.

Schwächen

Kosten. OneDrive ist nicht separat erhältlich — es kommt mit Microsoft 365 ab €5,60/Monat/User (Business Basic) oder €12,50/Monat/User (Business Standard mit Desktop-Apps). Bei 10 Usern: €672-1.500/Jahr. Jedes Jahr. Für immer.

1 TB Speicherlimit. Klingt viel, ist aber für Unternehmen mit großen Dateien schnell erreicht. Zusätzlicher Speicher kostet extra und wird teuer.

CLOUD Act. Microsoft unterliegt als US-Unternehmen dem CLOUD Act. US-Behörden können theoretisch Zugriff auf Daten verlangen — auch wenn diese in EU-Rechenzentren gespeichert sind. Microsofts “EU Data Boundary” verbessert die Situation, löst das grundlegende Problem aber nicht.

Vendor Lock-in. Je tiefer Sie im Microsoft-Ökosystem sind, desto schwieriger wird ein Wechsel. SharePoint-Workflows, Power Automate-Flows, Teams-Integrationen — das alles zurückzubauen ist aufwendig und teuer.

Admin-Komplexität. SharePoint ist ein mächtiges Tool — und entsprechend komplex. Berechtigungsmanagement, Site-Strukturen, Compliance-Einstellungen. Für Kleinunternehmen oft überdimensioniert.

Kosten im Vergleich

Rechenbeispiel: 10 Mitarbeiter, 5 Jahre.

Nextcloud (selbst gehostet)

PostenEinmaligJährlich5 Jahre
Server-Hardware (NAS/Mini-PC)€800€800
Einrichtung durch IT-Dienstleister€400€400
Festplatten (2× 4 TB, RAID)€300€300
Wartung (Updates, Monitoring)Im Rahmen der IT-Betreuung€0 extra
Strom~€50€250
Gesamt€1.500~€50~€1.750

OneDrive (mit Microsoft 365 Business Basic)

PostenEinmaligJährlich5 Jahre
Lizenz (€5,60 × 10 × 12)€672€3.360
Einrichtung€200€200
Zusatzspeicher (falls nötig)€100-500€500-2.500
Gesamt€200€672-1.172€4.060-6.060

Ersparnis mit Nextcloud über 5 Jahre: €2.300-4.300.

Und das bei nur 10 Usern. Bei 20 Usern verdoppeln sich die Microsoft-Kosten, während die Nextcloud-Kosten nur minimal steigen (gleicher Server, gleiche Festplatten).

Managed Nextcloud Hosting

Wenn Sie keinen eigenen Server betreiben wollen:

PostenJährlich5 Jahre
Managed Hosting (z.B. Hetzner + Nextcloud)€500-800€2.500-4.000
Einrichtung€200 (einmalig)€200
Gesamt€700-1.000€2.700-4.200

Immer noch günstiger als Microsoft — und mit voller Datenkontrolle bei einem europäischen Hoster.

Datenschutz & DSGVO

Nextcloud

  • Daten liegen dort, wo Sie es bestimmen — in Ihrem Büro, bei einem österreichischen Hoster, auf Ihrem eigenen Server
  • Kein US-Unternehmen hat Zugriff auf Ihre Daten
  • Server-seitige Verschlüsselung inklusive, End-to-End-Verschlüsselung optional
  • Sie sind der Verantwortliche und der Auftragsverarbeiter — oder wählen bewusst einen EU-Hoster
  • Keine Telemetrie, keine Analyse Ihrer Nutzungsdaten

OneDrive / SharePoint

  • Daten standardmäßig in EU-Rechenzentren (seit “EU Data Boundary”)
  • Microsoft unterliegt dem US CLOUD Act — Zugriff durch US-Behörden theoretisch möglich
  • Umfangreiche Telemetrie (einschränkbar, nicht vollständig deaktivierbar)
  • Microsofts Datenschutzbestimmungen sind 50+ Seiten lang — die meisten Unternehmen lesen sie nicht
  • Die österreichische Datenschutzbehörde hat Microsoft 365 nicht verboten, empfiehlt aber eine Datenschutz-Folgenabschätzung

Unsere Einschätzung: Für Kanzleien und andere Unternehmen mit hochsensiblen Daten ist Nextcloud datenschutzrechtlich die sicherere Wahl. Nicht weil Microsoft per se unsicher ist, sondern weil weniger Dritte = weniger Angriffsfläche = weniger Risiko.

Migration: Von OneDrive zu Nextcloud

Der Wechsel ist technisch unkompliziert:

  1. Nextcloud einrichten (Server oder Hosting, 2-4 Stunden)
  2. Daten kopieren (OneDrive-Ordner herunterladen, auf Nextcloud hochladen)
  3. Desktop-Client installieren (ersetzt den OneDrive-Client, gleiche Logik: Ordner synchronisiert sich)
  4. Nutzer einrichten (Accounts, Ordnerstruktur, Freigaben)
  5. OneDrive kündigen (erst wenn alles stabil läuft)

Typische Migrationsdauer für ein 10-Personen-Unternehmen: 1-2 Tage inklusive Einrichtung und Einschulung.

Was Sie nicht migrieren können: SharePoint-Workflows, Power Automate-Flows, Teams-Integrationen. Wenn Sie diese intensiv nutzen, ist eine Migration aufwendiger und muss sorgfältig geplant werden.

Unsere Empfehlung

Für Kleinunternehmen unter 20 Mitarbeitern empfehlen wir Nextcloud — selbst gehostet oder bei einem EU-Hoster. Sie sparen Geld, behalten die Datenkontrolle, und der Funktionsumfang reicht für die allermeisten Anforderungen.

Für Unternehmen, die bereits tief im Microsoft-Ökosystem stecken (SharePoint-Workflows, Power Automate, Teams als zentrale Plattform): Bleiben Sie bei OneDrive. Die Wechselkosten überwiegen die Ersparnis. Aber prüfen Sie, ob alle Mitarbeiter wirklich Microsoft 365 brauchen — oder ob einige mit LibreOffice und Nextcloud auskommen.

Für Unternehmen mit hohem Datenschutzbedarf (Kanzleien, Steuerberater): Nextcloud auf einem lokalen Server. Mandantendaten gehören nicht in eine US-Cloud — egal wie viele EU-Rechenzentren Microsoft baut.

Unsicher? Kontaktieren Sie uns. Wir schauen uns Ihre aktuelle Situation an und geben eine ehrliche Empfehlung — unabhängig davon, welche Lösung für uns mehr Arbeit bedeutet.

Häufige Fragen

Ist Nextcloud wirklich kostenlos?

Die Software ist kostenlos (Open Source). Sie brauchen aber Hardware oder Hosting: ein eigener Server (einmalig ~€500-1.500) oder Managed Hosting (ab ~€5/Monat/User). Insgesamt trotzdem deutlich günstiger als OneDrive.

Kann Nextcloud OneDrive vollständig ersetzen?

Für Dateispeicherung und -synchronisation ja. Für SharePoint-Workflows, Power Automate und tiefe Microsoft-Integration nicht. Nextcloud hat eigene Stärken (Kalender, Kontakte, Talk), deckt aber nicht das gesamte Microsoft-Ökosystem ab.

Ist Nextcloud DSGVO-konform?

Ja — wenn auf einem Server in der EU (oder idealerweise bei Ihnen lokal) betrieben. Sie kontrollieren alle Daten selbst. Keine US-Cloud, kein CLOUD Act. Für DSGVO-Compliance einer der größten Vorteile.

Wie aufwendig ist die Einrichtung?

Auf einem eigenen Server: 2-4 Stunden für einen erfahrenen Admin. Danach läuft es weitgehend wartungsarm. Updates sind unkompliziert. Wir übernehmen Einrichtung und Wartung als Teil unserer IT-Betreuung.

Funktioniert Nextcloud auf Mac und iPhone?

Ja. Es gibt Desktop-Clients für Windows, macOS und Linux sowie mobile Apps für iOS und Android. Die Synchronisation funktioniert genauso wie bei OneDrive oder Dropbox.

Nicht sicher, was zu Ihnen passt?

Wir betreuen Kunden mit beiden Lösungen. Im kostenlosen IT-Audit zeigen wir Ihnen, was für Ihr Unternehmen Sinn macht.

Kostenloses IT-Audit buchen