Open-Source-Stack vs Microsoft 365

Microsoft 365 Alternativen für Unternehmen

Für die meisten Kleinunternehmen unter 20 Mitarbeitern deckt ein Open-Source-Stack (LibreOffice + Nextcloud + Thunderbird) 90% der Anforderungen ab — bei 80-90% Kostenersparnis. Google Workspace ist die Mitte zwischen FOSS und Microsoft.

Kurzübersicht: Microsoft 365 und seine Alternativen

Microsoft 365 ist ein Paket aus vielen Einzelprodukten. Um eine echte Alternative zu finden, muss man verstehen, welche Teile man tatsächlich nutzt — und welche man ersetzen muss.

Microsoft-ProduktFunktionOpen-Source-AlternativeKommerzielle Alternative
WordTextverarbeitungLibreOffice WriterGoogle Docs
ExcelTabellenkalkulationLibreOffice CalcGoogle Sheets
PowerPointPräsentationenLibreOffice ImpressGoogle Slides
OutlookE-MailThunderbirdGmail
OneDriveCloud-SpeicherNextcloudGoogle Drive
SharePointDokumentenmanagementNextcloud (teilweise)Google Workspace
TeamsChat & VideoNextcloud Talk, ElementGoogle Meet, Zoom
ExchangeMail-ServerMailcow, StalwartGoogle Workspace
OneNoteNotizenJoplin, Nextcloud NotesNotion, Google Keep
Planner/To DoAufgabenNextcloud DeckTodoist, Asana

Der Open-Source-Stack im Detail

LibreOffice — Word, Excel, PowerPoint ersetzen

LibreOffice ist die ausgereifteste Open-Source-Office-Suite. Writer, Calc, Impress — direkte Gegenstücke zu Word, Excel, PowerPoint.

Was funktioniert: Dokumente schreiben, Tabellen erstellen, einfache Präsentationen. Dateien im Microsoft-Format (.docx, .xlsx, .pptx) öffnen und speichern. Für 90% des Büroalltags eines Kleinunternehmens reicht das vollkommen.

Was eingeschränkt ist: Komplexe Excel-Makros (VBA), Echtzeit-Zusammenarbeit an Dokumenten, sehr aufwendige Formatierungen beim Austausch mit Microsoft-Nutzern.

Kosten: €0. Auf beliebig vielen Rechnern. Für immer.

Nextcloud — OneDrive, SharePoint, Teams (teilweise) ersetzen

Nextcloud ist mehr als Dateispeicherung. Es ist eine Plattform: Dateien, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Notizen, Talk (Videokonferenzen), Office-Bearbeitung (mit Collabora).

Was funktioniert: Dateien synchronisieren (wie Dropbox/OneDrive), Kalender und Kontakte teilen (wie Exchange), Videocalls für kleine Teams (wie Teams für 2-10 Personen), Aufgaben verwalten (wie Planner).

Was eingeschränkt ist: SharePoint-Workflows und Power Automate gibt es nicht. Videocalls für 50+ Personen sind nicht die Stärke. Die Office-Bearbeitung im Browser (Collabora) ist funktional, aber nicht so poliert wie Microsoft Office Online.

Kosten: Software kostenlos. Hosting auf eigenem Server oder EU-Hoster ab ~€500/Jahr.

Thunderbird — Outlook ersetzen

Thunderbird ist Mozillas E-Mail-Client. Kostenlos, Open Source, aktiv weiterentwickelt (Version 128+ mit modernisierter Oberfläche).

Was funktioniert: E-Mail senden und empfangen (IMAP/SMTP), Kalender-Integration (CalDAV), Kontakte (CardDAV), Add-ons für zusätzliche Funktionen. In Kombination mit Nextcloud eine solide Lösung für E-Mail + Kalender + Kontakte.

Was eingeschränkt ist: Geteilte Exchange-Postfächer, Raumplanung, Abwesenheitsassistenten über Exchange, nahtlose Integration mit allen anderen Tools. Thunderbird ist ein E-Mail-Client, kein Outlook-Klon.

Kosten: €0.

Zusammen: Der komplette Stack

LibreOffice + Nextcloud + Thunderbird ersetzen zusammen den Großteil von Microsoft 365. Nicht alles — aber genug für die meisten Kleinunternehmen.

Was der Stack kann:

  • Dokumente, Tabellen, Präsentationen erstellen und bearbeiten
  • Dateien zentral speichern und synchronisieren
  • E-Mails senden und empfangen
  • Kalender und Kontakte teilen
  • Videocalls für kleine Teams
  • Aufgaben verwalten

Was der Stack nicht kann:

  • Echtzeit-Zusammenarbeit auf Microsoft-Niveau
  • SharePoint-Workflows und Power Automate
  • Große Videokonferenzen (50+ Teilnehmer)
  • Nahtlose Integration aller Komponenten (jedes Tool hat seine eigene Oberfläche)

Google Workspace als Alternative

Google Workspace (ehemals G Suite) ist die andere große Alternative zu Microsoft 365. Nicht Open Source, aber als Vergleich wichtig.

KriteriumGoogle WorkspaceMicrosoft 365Open-Source-Stack
Preisab €6,90/Monat/Userab €12,50/Monat/User~€0/Monat
E-MailGmail (ausgezeichnet)Outlook (ausgezeichnet)Thunderbird (gut)
ZusammenarbeitSehr gut (Echtzeit)Sehr gut (Echtzeit)Eingeschränkt
Office-QualitätGut (browser-basiert)Sehr gut (Desktop-Apps)Gut (Desktop-Apps)
DatenschutzUS-Cloud (CLOUD Act)US-Cloud (CLOUD Act)Volle Kontrolle
Offline-NutzungEingeschränktVollständigVollständig
Admin-AufwandNiedrigMittelMittel

Unsere Einschätzung zu Google Workspace: Funktional stark, besonders Gmail und die Echtzeit-Zusammenarbeit in Docs/Sheets. Aber: Gleiche DSGVO-Probleme wie Microsoft (US-Unternehmen, CLOUD Act), keine Desktop-Apps (alles browser-basiert), und nur €5 günstiger als Microsoft pro Monat. Wenn Datenschutz der Grund für den Wechsel ist, löst Google nichts. Wenn es nur um Geld geht, sparen Sie mit Open Source deutlich mehr.

Kosten im Vergleich: 10 Mitarbeiter, 5 Jahre

Microsoft 365 Business Standard

Posten5 Jahre
Lizenzen (€12,50 × 10 × 60 Monate)€7.500
Einrichtung€800
Gesamt€8.300

Google Workspace Business Starter

Posten5 Jahre
Lizenzen (€6,90 × 10 × 60 Monate)€4.140
Einrichtung & Migration€600
Gesamt€4.740

Open-Source-Stack (LibreOffice + Nextcloud + Thunderbird)

Posten5 Jahre
Software-Lizenzen€0
Nextcloud-Server (Hardware)€800
Einrichtung & Migration€1.200
Wartung (im Rahmen IT-Betreuung)€0 extra
Strom, Ersatzteile~€400
Gesamt~€2.400

Ersparnis über 5 Jahre:

  • vs. Microsoft 365: ~€5.900 (71% weniger)
  • vs. Google Workspace: ~€2.340 (49% weniger)

Bei 20 Mitarbeitern verdoppeln sich die Microsoft- und Google-Kosten, während der Open-Source-Stack kaum teurer wird (gleicher Server).

Szenarien: Was passt zu Ihrem Unternehmen?

Szenario 1: Kanzlei mit 6 Mitarbeitern

Situation: 4 Sachbearbeiter tippen Schriftsätze, 1 Sekretariat, 1 Partner. Branchensoftware (Advokat/BMD) läuft auf eigenem Server. E-Mail hauptsächlich extern (Mandanten, Gerichte).

Empfehlung: Open-Source-Stack. LibreOffice für Korrespondenz, Nextcloud für Dateiaustausch, Thunderbird für E-Mail. DSGVO-Vorteile durch lokale Datenspeicherung. Jährliche Ersparnis vs. Microsoft: ca. €1.000.

Szenario 2: Agentur mit 15 Mitarbeitern

Situation: Kreativteam arbeitet ständig gemeinsam an Dokumenten. Viel externer Austausch mit Kunden. Mac und PC gemischt. Braucht Echtzeit-Zusammenarbeit.

Empfehlung: Hybrid. LibreOffice auf den meisten Rechnern, Microsoft 365 für die 3-4 Personen, die intensiv kollaborieren. Nextcloud als Fileserver statt OneDrive für große Dateien. Jährliche Ersparnis vs. Vollausstattung Microsoft: ca. €1.200.

Szenario 3: Handwerksbetrieb mit 8 Mitarbeitern

Situation: 2 Büroarbeitsplätze, 6 Mitarbeiter auf Baustellen. E-Mail, Angebote, Rechnungen. Kein Bedarf an Zusammenarbeit in Dokumenten.

Empfehlung: Open-Source-Stack. Absolut ausreichend. Die 6 Mitarbeiter auf der Baustelle brauchen gar kein Office. Die 2 Büroarbeitsplätze arbeiten mit LibreOffice und Thunderbird. Jährliche Ersparnis vs. Microsoft: ca. €1.500 (wenn man davon ausgeht, dass vorher alle 8 Lizenzen hatten).

Szenario 4: Beratungsunternehmen mit 25 Mitarbeitern

Situation: Intensive Zusammenarbeit, viele externe Präsentationen, SharePoint-Workflows für Projektdokumentation, Teams für tägliche Kommunikation.

Empfehlung: Microsoft 365 behalten. Der Wechselaufwand und der Funktionsverlust überwiegen die Kostenersparnis. Aber: Prüfen Sie, ob wirklich alle 25 Mitarbeiter die €12,50/Monat-Lizenz brauchen. Oft reichen 10 Business Standard + 15 Business Basic (€5,60).

Ehrliche Einschätzung: Was Microsoft 365 besser kann

Ein Vergleichsartikel, der nur die Alternative lobt, ist kein ehrlicher Vergleich. Microsoft 365 hat echte Vorteile:

Echtzeit-Zusammenarbeit ist bei Microsoft nach wie vor die Referenz. Gleichzeitig an einem Word-Dokument arbeiten, Änderungen in Echtzeit sehen, Kommentare hinterlassen — das funktioniert nirgendwo so gut.

Integration aller Komponenten. Outlook, Teams, OneDrive, SharePoint, Planner — alles spricht miteinander. Der Open-Source-Stack ist eine Kombination einzelner Tools, die zusammenarbeiten, aber nicht verschmelzen.

Branchenstandard. Wenn Ihre Kunden und Partner Microsoft nutzen, ist der Austausch mit Microsoft reibungsloser. Kein Nachformatieren, keine Kompatibilitätsfragen.

IT-Administration. Azure AD (jetzt Entra ID), Conditional Access, Compliance-Policies — für größere Unternehmen bietet Microsoft eine zentrale Verwaltungsebene, die der Open-Source-Stack so nicht hat.

Wer diese Features intensiv nutzt, hat mit Open-Source-Alternativen echte Einschränkungen. Darum empfehlen wir nicht pauschal den Umstieg, sondern schauen uns an, was Sie wirklich brauchen.

Nächste Schritte

Wenn Sie überlegen, ob Microsoft 365 Alternativen für Ihr Unternehmen sinnvoll sind:

  1. Nutzung analysieren: Welche Microsoft-Produkte nutzen Sie tatsächlich? (Hint: Die meisten Kleinunternehmen nutzen Word, Excel, Outlook und OneDrive. Nicht Teams, nicht SharePoint, nicht Power Automate.)
  2. Testen: Installieren Sie LibreOffice parallel auf einem Rechner. Arbeiten Sie eine Woche damit. Merken Sie einen Unterschied?
  3. Kosten rechnen: Was zahlen Sie aktuell? Was würden Sie sparen?
  4. Kontaktieren Sie uns: Wir machen eine ehrliche Bestandsaufnahme und empfehlen, was zu Ihrem Unternehmen passt. Kostenlos und unverbindlich. Wir verdienen an keiner der Alternativen.

Häufige Fragen

Kann ich Microsoft 365 komplett ersetzen?

Für die meisten Kleinunternehmen ja. LibreOffice ersetzt Word/Excel/PowerPoint, Nextcloud ersetzt OneDrive/SharePoint, Thunderbird ersetzt Outlook. Die einzelnen Teile sind ausgereift. Was fehlt, ist die nahtlose Integration zwischen allen Komponenten — daran muss man sich gewöhnen.

Was ist mit Exchange und Outlook?

Das ist der schwierigste Teil. Für E-Mail funktioniert Thunderbird gut. Für geteilte Kalender, Kontakte und Raumplanung gibt es Nextcloud + CalDAV/CardDAV. Die Integration ist aber nicht so nahtlos wie bei Outlook + Exchange. Wenn Sie intensiv auf geteilte Postfächer angewiesen sind, wird es eng.

Ist Google Workspace eine gute Alternative?

Funktional ja — besonders für Zusammenarbeit und E-Mail. Aber Google Workspace hat die gleichen DSGVO-Bedenken wie Microsoft (US-Unternehmen, CLOUD Act). Und es ist nicht wesentlich günstiger. Als DSGVO-konforme Alternative taugt es nicht.

Wie lange dauert die Umstellung?

Für ein typisches 10-Personen-Unternehmen: 2-3 Tage für Installation, Migration und Einschulung. Plus 1-2 Wochen Eingewöhnung, in der die Produktivität leicht sinkt.

Spart man wirklich so viel?

Ja. Ein 10-Personen-Unternehmen zahlt für Microsoft 365 Business Standard €1.500/Jahr. Der Open-Source-Stack kostet einmalig ~€1.500-2.000 und danach nahe €0/Jahr. Nach 2 Jahren ist die Investition zurückverdient.

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